Ausflug nach Speyer ins Historische Museum

Anlässlich ihres Monatstreffens besuchten die Senioren der Kolpingsfamilie die Sonderausstellungen „Die Wikinger“ im Historischen Museum der Pfalz in Speyer. Die große Gruppe von Teilnehmern wurde von Frau Knapp begleitet. Sie vermittelte dabei viele interessante, aufschlussreiche Eindrücke über die Lebenswelt dieser Nordmänner.   

Darunter unterscheidet man drei Stämme. Der größte von ihnen lebte entlang der Nordseeküste etwa von der holländisch/deutschen Grenze im Westen, über das gesamte Dänemark, West-Schweden und Norwegen. Eine weitere Gruppe siedelte im gesamten Bereich der Ostsee. Der dritte Stamm bevölkerte das Zentrum des europäischen Teils von Russland, vermutlich entlang der Flüsse des Landes. Die Ausstellung bietet einen umfassenden Einblick in die Welt der Wikinger, aufgrund der neusten Forschungsergebnisse.

Die in mächtigen Felsblöcke geritzten oder gemeißelten Schriftzeichen, den sogenannten Runen, sind einzelne Wörter, keine zusammenhängenden Sätze. Ihre Bedeutung beruht auf Jahrhunderte alter Überlieferung, die nur an entsprechende Personen weitergegeben wurde. Nach den informativen Erläuterungen von Frau Knapp lebten die Wikinger im 7./8. Jahrhundert bis ins 11. Jahrhundert zunächst als tüchtige Bauern, geschickte Jäger und erfolgreiche Händler. Das Wasser vor der Haustür machte sie schließlich zu genialen Schiffsbauern, berühmten Seefahrern und großartigen Entdeckern. Anhand jenes Schiffsmodells konnte man die Genialität der Erbauer nachvollziehen. So wurden die flachen Boote ohne Kiel aus Holzbohlen die Fugen wie ein Schieferdach überlappend zusammengebaut und mit der Hand gefertigten Nägel vernietet. Dabei wurden die Bohlen entsprechend der geplanten Schiffsform ausgesuchten Bäumen hergestellt. Dazu wurde der Stamm zunächst mit Keilen gespalteten und anschließend mit einer Art Kettensäge aus Holzgliedern zugerichtet. Erst nach Fertigstellung des Bootsrumpfes wurden die Spanten passgenau eingesetzt. In die Spanten wurde schließlich die Vorrichtung für den herausnehmbaren Segelmast eingepasst. Man wählte flache Boote, dass man jederzeit und überall anlegen konnte. Deshalb waren Abschnitte mit steilen Küsten lange Zeit vor den Eindringlingen geschützt. Bei orkanartigen Winden wurde das Segel eingeholt, der Mast im Boot verstaut und mit Muskelkraft das Ufer angesteuert. Zunächst schipperten die Wikinger, die keinen Kompass kannten, nur in Sichtweite der Küste. Die Routen wurden immer länger. Natürlich waren sie nicht immer willkommene Gäste. Sie versuchten ihre mitgebrachten Waren aus Landwirtschaft, Fischerei und Jagd auf dem Tauschwege gegen Schmuck, Gold und anderes mehr an den Mann zu bringen. Nachdem man weit die Seine und Loire hinauf vorgedrungen war, beraubte man die wehrlosen Klöster. Mit ihren schnellen Booten begannen sie dann, das nördliche Europa, insbesondere Britannien, zu terrorisieren. Die Männer waren deshalb fast ständig unterwegs. Daheim regierte die Frau. Sie war für die Erziehung der Kinder, die Aufzucht von Tieren und die Landwirtschaft verantwortlich.    

Die Wikinger auf See wurden immer mutiger. Man lernte sich anhand der Gestirne zu orientieren. Damit drang man nach Island und Grönland vor. Um 980 wurde der Wikinger „Erik der Rote“ wegen Mordes aus Island verbannt. Auf einer Insel im Westen gründete er eine europäische Kolonie und nennt sie Grönland. Von hier aus gelangte wenig später der bekannteste Wikinger Leif Eriksson mit 35 Mann an Bord als erste Europäer an das nordamerikanische Festland. Fast 5 Jahrhunderte vor Kolumbus gründete er dort die Siedlung „Vinland“, die allerdings nur kurzfristig bestand.    

Auf ihren Raubzügen kamen die Wikinger auch mit dem Christentum in Berührung. Sie wunderten sich, dass sich Paters und Nonnen in den Klöstern nicht zur Wehr setzten. Dies scheint sie maßgeblich beeindruckt zu haben, so dass sie ebenfalls gläubig wurden. Sie waren auch fähig sich den unterschiedlichsten Umständen anzupassen. Von diesen Eigenschaften zeugen die zahlreichen Exponate der Ausstellung. Die Besucher werden dabei informiert, wie sich die Nordländer kleideten mit ihrer wollenen Wäsche. Interessant auch die Ausstattung der Krieger mit Kettenhemd, Metallhelm, Ledermütze, Holzschild, Langschwert, Lanze, Axt und vieles mehr. In  Gold- und Silberschätzen offenbart sich ein enormer Reichtum, den so mancher Wikinger anhäufte. Nach dieser eindrucksvollen Führung durch die interessante Ausstellung über die Wikinger unternahmen die Teilnehmer noch einen Rundgang durch weitere Abteilungen des Museums. Dabei war der echte „Goldene Hut“ aus Schifferstadt ein wahrer Anziehungspunkt.